2009: Gesucht wird eine alte Apfelsorte aus Weilburg: “Der Weilburger”
Diese alte Sorte war einst weit verbreitet im Nassauischen v.a. entlang der Lahn und rund um Wiesbaden.
Wer kennt Bäume mit solchen Früchten:
Frucht meist mittelgroß, rundliche Form (zur Blüte leicht verjüngt). Grundfarbe strohgelb, sonnenseits karmesinrot.
Schale glatt, zart, glänzend, mit feinem Geruch. Fruchtfleisch weiß, saftig Genussreif ab November / Dezember.
Winterapfel: im guten Lager haltbar bis Sommer
Hinweise bitte an den Pomologen-Verein e.V. Martina Adams, Weilburg (06471) 39179
Der Verein bietet wichtige Informationen zu alten Apfelsorten, verlässliche
Sortenbestimmungen und ausgezeichnete Literatur: www.pomologen-verein.de
2010: HURRA! Ein Baum aus Hünfelden war ein Volltreffer:
Für Streuobstfreunde und Naturschützer sehr zu empfehlen sind auch die Aktivitäten des
Naturschutzbundes Deutschland NABU / Bundesfachausschuss Streuobst:
Aktuelle Informationen und Serviceleistungen rund um das Thema Streuobst: www.streuobst.de
und eine ausgezeichnete “Suchmaschine” für Streuobstsorten: www.streuobstapfel.de
Presse-Info des Pomologenvereins e.V., Landesgruppe Hessen Schriftführerin Martina Adams,
Dezember 2010
Der Weilburger Apfel ist wieder in Weilburg
Die Wiederentdeckung einer verschollen geglaubten Apelsorte
Die Stadt Weilburg ist die Namensgeberin einer seit mindestens 1799 bekannten Winter-Apfelsorte, die seit
vielen Jahren als verschollen galt. "Der Weilburger" war einst im Lahntal und im Raum Wiesbaden weit
verbreitet und wurde von vielen Pomologen, wie dem Kronberger Obstpfarrer J.L. Christ und dem Diezer
Stadtphysikus und Bäderarzt A.F.A. Diel ausführlich beschrieben.
Viele einst bekannter und v.a. regional und lokal bedeutsamer Sorten gelten inzwischen als verschollen,
d.h. man geht davon aus, dass keine Bäume mit solchen Früchten mehr existieren.
Um die große Vielfalt an Eigenschaften, Nutzungsmöglichkeiten und Aromen sowie eine breite genetische
Basis und das Kulturgut für die Zukunft zu bewahren, ist es wichtig eine möglichst große Zahl an Sorten zu
erhalten. Der Pomologen-Verein e.V. widmet sich dieser Aufgabe seit Jahren. Die hessische Landesgruppe
versucht u.a. mit der Aktion "Hessische Lokalsorte des Jahres" die Öffentlichkeit für das Thema zu
sensibilisieren und vergessene Sorten wieder in die Landschaft zu bringen.
Im Herbst 2009 hatte der Pomologen-Verein die Suche nach dem Weilburger Apfel intensiviert. An
heimische Tageszeitungen wurden Suchaufrufe gegeben, heimische Keltereien mit Suchplakaten
ausgestattet. Die Hoffnung, die Sorte wieder zu finden, war allerdings recht gering. Nicht jedoch die
Resonanz aus der Bevölkerung. Fast 50 Rückmeldungen erreichten Martina Adams vom Pomologen-
Verein, die die Suche vor Ort koordinierte. Entsprechend viele Gespräche wurden geführt, Obstbäume
besichtigt, Fruchtproben genommen und von den Pomologen (Sortenkundlern) des Vereins begutachtet.
Eine Meldung aus Hünfelden stellte sich dann als Volltreffer heraus. Mehrere Faktoren gaben Gewissheit,
das der dort erhaltene alte Apfelbaum tatsächlich dem gesuchten "Weilburger" entspricht. Die Früchte
konnten anhand der Beschreibungen in der vorliegenden pomologischen Literatur identifiziert werden.
Auch war der Sortenname den Baumbesitzern noch bekannt.
Noch vor Abschluss der Sortenprüfung wurden im vergangenen Frühjahr Reiser geschnitten, so dass in
diesem Jahr bereits einige Jungbäume mit dem "Weilburger" veredelt werden konnten.
Einer dieser Bäume wurde noch kurz vor dem Wintereinbruch in Odersbach gesetzt. Der Pomologen-
Verein e.V. wird einen weiteren Baum der Stadt Weilburg schenken. Dieser soll im Frühjahr 2011 in einer
gemeinsamen Aktion in Weilburg gepflanzt werden. Der Weilburger Bürgermeister Hans Peter Schick hatte
sich selbst sehr für das Wiederfinden des "Weilburgers" eingesetzt, nachdem er anlässlich der Eröffnung
der Schaubibliothek im Stadtmuseum davon erfahren hatte, dass eine Apfelsorte den Namen der Stadt
trägt.
In Weilburg sollen nach und nach weitere Bäume des "Weilburgers" gepflanzt werden. Wer diese
Pflanzaktionen oder weitere Suchaktionen nach verschollen Sorten (wie z.B. dem "Bermbacher
Christkindchesapfel" oder dem "Westerwälder Streifling") unterstützen möchte, kann sich gerne an den
Verein wenden oder die Arbeit mit einer Spende fördern.
Der Pomologen-Verein bedankt sich herzlich bei allen Unterstützern der Suche - insbesondere bei den
Menschen der Region, die sich auf den Suchaufruf hin gemeldet hatten. Denn neben dem Weilburger
wurden dadurch auch Standorte weiterer seltener Sorten, wie der "Mensfelder Glanzrenette" oder dem
"Hochzeitsapfel" gefunden und einige interessante Sorten entdeckt, die bisher noch nicht bestimmt werden
konnten. Ein ganz besonderer Dank geht an die Familie in Hünfelden, die den vermutlich letzten
Weilburger Apfelbaum über die vielen Jahre erhalten hat.
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