Nicht nur die regionalen Kelterer im Nassauer Land,  sondern auch die Stoffbesitzer (so nennt man die Eigentümer von Streuobstbäumen, die ihre Produkte in Brennereien veredeln lassen) und die Brenner leisten einen sehr großen Beitrag zur Pflege der für die Kulturlandschaft wichtigen und ökologisch wertvollen Streuobstwiesen des Nassauer Landes. Denn diese Streuobstwiesen bieten nicht nur vielen vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause, sondern garantieren auch den Erhalt von alten und heute schon seltenen Obstsorten mit ihren wertvollen Aromen und Inhaltsstoffen. Die Streuobstwiesen in ihrer ursprünglichen Form werden aber nur bei einer auch ökonomisch sinnvollen Verwertungsmöglichkeit des erzeugten Obstes weiter gepflegt und erhalten. Mit diesen Grundgedanken haben im  August 2009 Holger Höhler, Michael Geier und Günter Nagel zusammen mit Aarbergener Streuobstfreunden den Verein “Qualität aus dem Nassauer Land e.V.”  gegründet. Ziele dieses Vereines sind die Erhaltung und Ausweitung der Streuobstflächen im Nassauer Land auch durch die Absatzförderung der im Nassauer Land erzeugten Lebensmittel und Getränke. Erste Aktion unseres Vereins war die Organisation von öffentlichen Qualitätsprüfungen und Prämierungen für Liköre und Edelbrände durch unabhängige und unparteiische Prüfer. Mit dieser Prämierung wollen wir die regionale Verwertung dieser wertvollen Obstsorten fördern und durch diese Qualitätsbeurteilung die Vermarktungschancen verbessern, damit das “Nassauer Land” zu einem Markenbegriff werden kann. Die Ergebnisse der Pämierung waren erstaunlich: Fast alle Proben haben die erforderliche Punktzahl erreicht und dürfen sich in Zukunft mit dem Prädikat “ Geprüfte Qualität aus dem Nassauer Land” schmücken. Das wurde dann genußreich gefeiert: Aroma-Bomben aus der Region   (Aarbote, 4. 11. 2009) NASSAUER LAND Edelbrände regionaler Erzeuger auf Burg Hohenstein prämiert  VonAnja Baumgart-Pietsch HOHENSTEIN. „Was wir als erstes heute Abend mal ganz schnell vergessen, ist das Wort Schnaps“, sagt Dr. Gerd Scholten, Oenologe des „Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel“, als Moderator der Edelbrand-Prämierung im Restaurant der Burg Hohenstein. „Schnaps kippt man runter, das wir heute tun wollen, ist dagegen Genuss pur.“ Das stimmt. Die Edelbrände, die von nun an als Spirituosen respektvoll angesprochen werden, sind tatsächlich Aromabomben,die auf der Zunge zergehen. Auf Initiative des Vereins „Qualität aus dem NassauerLand“, namentlich Holger Höhler, Günter Nagel und Michael Geier, wurden nun zum zweiten Mal nach 2007 Edelbrände regionaler Erzeuger prämiert. Über 90 wurden eingereicht, vom „Limbacher Apfel“ bis zum Kürbisbrand, vom hessischen Whisky bis zum Wildkirschlikör, waren die unterschiedlichsten Spezialitäten dabei. Die Bewertung erfolgte nach einem eigenen 100 Punkte- System. Jede Probe musste dabei mindestens 70 Punkte erreichen. Bei Erreichen oder Überschreiten dieser Punktzahl wird die Plakette „Geprüfte Qualität aus dem Nassauer Land“ verliehen. „Fast alle haben die erforderliche Punktzahl zur Pärmierung erreicht“, freute sich Holger Höhler, Brenner aus Kettenbach und selbst mit verschiedenen Bränden dabei. Am Samstag zuvor waren (wie berichtet) fachkundige Prüfer mit der Bewertung der Spirituosen in Strinz-Margarethä beschäftigt. Das Besondere dabei: Ein Team bestand ausschlielich aus Frauen, bisher noch eine Seltenheit in der Brennerei-Szene. Die Prüfer haben ganze Arbeit geleistet,und die hochwertigen Destillaten in verschiedenen Gruppen zusammengefasst. Die Gruppensieger wurden eine Woche nach der Probe auf der Burg Hohenstein vorgestellt. Das Besondere an diesem Abend: Achim Diefenbach, Küchenchef im Burgrestaurant „Waffenschmiede“, hatte ein Menü komponiert, indem die Aromen verschiedener Brände eine gewichtige Rolle spielten. Insgesamt neun Destillate konnten von den Teilnehmern zwischen den Gängen verkostet werden: So gab es beispielsweise einen Brand aus “Rotem Trierer Weinapfel“ von Holger Höhler, passend zur „Nassauer Apfelweinsuppe mit Apfelbrand“, einen Zitronenlikör von Michael Geier zum Zitronen-Orangen-Sorbet mit Holunderbrand oder den punktmäßigen Gesamtsieger der Prämierung, einen ausgefallenen Ebereschenbrand von Reinhold Königstein, zur Gänsebrust mit Kartoffel-Kürbis-Püree und Waldbeerenbrand. Weitere Gruppensieger der Prämierung waren unter anderem die Kelterei Dethfer mit einem Kirschenbrand oder Gundolf Laquai mit Weinhefebrand oder der  Weizenbrand von Gernot Bingel, dessen feiner Geschmack nichts mit dem üblichen „Korn“ gemeinsam hatte. Menü und Brände vermochten also die Gaumen aufs Feinste zu kitzeln. Hochinteressant aber auch Gerd Scholtens Präsentation der Spirituosen, bei der der Experte, der bei der Prüfung ebenfalls mitgewirkt hatte, über viele Details und Fakten zur Herstellung der Obstbrände informierte und Speisen und Getränke wie bei einer Weinprobe zueinander in Beziehung setzte. Dass beispielsweise der Unterschied zwischen einem „Brand“ und einem „Geist“ darin besteht, dass beim Brand vergorene Maische die Grundlage bildet, während bei einem Geist frische Früchte der Hauptbestandteil sind, dürften viele noch nicht gewusst haben. Scholten wies auch darauf hin, dass die Erzeuger der Spirituosen auch praktische Naturschützer sind: Das Obst stammt von regionalen Streuobstwiesen, auf denen seltene Sorten gedeihen und durch die Nutzung erhalten werden. Die Wiesen dienen als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, haben also hohen ökologischen Wert. Zudem seien die regionalen Brenner Garanten für Vielfalt, die man der Globalisierung entgegensetzen könne, so Scholten. Vieles aus dem Supermarkt schmecke überall gleich, bei Kleinerzeugern hingegen gebe es einen große Variantenbreite, deren Entdeckung sich lohne. So gehen Nutzung, Naturschutz und Genuss eine harmonische Verbindung ein. „Wir wollen mit dieser Prämierung die regionale Verwertung der wertvollen Obstsorten fördern und durch die Qualitätsbeurteilung die Vermarktungschancen verbessern“, so Holger Höhler. Weitere Aktivitäten des Vereins „Qualität aus dem Nassauer Land“ sind bereits angedacht: Denn was viele Rheingauer Winzer mit ihrem Produkt, dem Wein, erfolgreich tun, wollen nun auch die Nassauer mit ihren Spezialitten, zu denen hauptschlich – aber nicht nur – die Obstprodukte zählen, erreichen. Gäste, Preisträger und Gastgeber der Edelbrandprämierung (von links): Gernot Bingel, Günter Nagel, Jutta Nothacker, Reinhold Königstein, Michael Geier, Dr. Gerd Scholten, Karl-Holger Höhler.    Foto: wita / Martin Fromme nach oben Neues von der Streuobstwiese